Die Geschichte der Babymassage

Anwendung der Babymassage in anderen Kulturen

Die Babymassage ist seit langer Zeit in unterschiedlichsten Ländern und Kulturen, von Afrika bis Indien und Indonesien, von Zentral- bis Südamerika bis Australien und Sibirien, als wichtiges tägliches Element weit verbreitet. Es gibt aber verschiedene Ansichten und Schwerpunkte zum Sinn und zur Wirkungsweise dieser Massageform.

 

In Japan z.B. will man durch sanftes Bürsten und Streichen über die Haut die Bildung der Energiemeridiane unterstützen.

Die Menschen in Indien und auf Hawaii glauben, dass sich durch eine regelmäßige Massage ein Gesicht verschönern lässt. Aus diesem Grund werden Kopf, Nase, Mund und Augen sanft in Form gedrückt.

Bei der Kindermassage bei den Maori lag der Schwerpunkt beim Massieren von Knöchel und Knie der Kinder, sie nahmen an, dass dadurch die Gelenke der Kinder geschmeidiger und graziler werden.

Den Kindern der Yurok - Indianer wurden täglich die Beine massiert, in der Hoffnung, dass sie schneller krabbeln lernten.

In Bali werden Kinder bei Bauchschmerzen massiert.

In Russland wurden Kinder bzw. Söhne der Zarenfamilie besonders häufig massiert, damit sie stark und intelligent werden sollten.

 

Die einzelnen Kulturen versprechen sich durch die Massage Gesundheit und Schutz vor Naturgewalten, aber auch Wohlbefinden und Schönheit.

So spiegelt das, was der Babymassage zugeordnet wird, ein Idealbild der jeweiligen Kultur wieder.

 

 

Die Geschichte der Babymassage in Deutschland

In Deutschland gab es, vor allem im 18.Jahrhundert, verschiedene pädagogische Richtungen (Antipädagogik), die einen allzu engen Kontakt zwischen Mutter und Kind ablehnten. Diese Einstellung konnte sich jedoch gegen das natürliche Bedürfnis nach Zärtlichkeit mit dem Baby nicht durchsetzten. Dennoch war die erste Hälfte des 20.Jahrhunderts durch die Kriege häufig eher dem Überlebenskampf, als der innigen Zuwendung zum Kind gewidmet.

 

In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde mit der Technisierung des Geburtsvorgangs eine gewisse Distanzierung zwischen Mutter und Kind geschaffen. Alles musste steril und messbar ablaufen. Die Natürlichkeit des Stillens etwa wurde den Interessen aufkommenden Milchproduktionsindustrie untergeordnet.

 

Heute beobachten wir durch den Geburtenrückgang erneut eine große Unsicherheit zwischen Mutter und Neugeborenem. Das Handling eines Säuglings und Kleinkindes kann nicht natürlich im Verband der Großfamilie erlernt werden, sondern muss aus Büchern, Säuglingskursen und Krabbelgruppen zusammengetragen werden. Durch die Flut an Informationen steigt die Unsicherheit der Eltern und die Zweifel an der eigenen Intuition wachsen.

 

Die Babymassage will und kann hier eine Kommunikationsform zwischen Eltern und Kind sein. Sie ermöglicht den Eltern, mit dem Kind zur Ruhe zu kommen und eigene und kindliche Bedürfnisse wahr zu nehmen und zu achten.

 

Wichtige Personen in der Entwicklung der Babymassage

Verbreitet wurde sie durch den französischen Arzt Frédéric Leboyer und sein Buch „sanfte Hände“. Er beschreibt darin die traditionelle indische Babymassage in eindrucksvollen Bildern und Texten. Bekannt wurde er durch sein Buch „sanfte Geburt“, in dem er sich gegen eine technisch kontrollierte und medizinisch invasive Geburt wendet und mehr die Hinwendung und den Respekt vor dem Neugeborenen fordert.

In verschiedenen Richtungen wurde die Babymassage weiter entwickelt und „europäisiert“.

 

Die Schweizerin Claire Gauch schlägt einen Weg zu „intuitiven Baby- und Kindermassage“ ein. Sie hat -in Anlehnung an Leboyer- die Griffe und Ausgangsstellungen für die Massage den westlichen Lebensgewohnheiten angepasst und durch Fingerverse und Abzählreime ergänzt.

An ihrem Konzept orientiert sich unser Babymassagekurs in Meikes Zwergenwelt in Ottmarsheim (Nähe Besigheim).

(Text: Claudia Dickinson)